Wer sich einmal mit Handfiltern beschäftigt, stößt fast zwangsläufig auf die Grundsatzfrage: konischer V60 oder flacher Kalita Wave? Aus Yokohama stammend, tritt der Wave 185 gezielt mit einer anderen Boden-Geometrie an als der japanische Platzhirsch und verspricht dadurch mehr Gleichmäßigkeit bei weniger Technikabhängigkeit. Für rund 57 Euro in der Edelstahl-Ausführung lohnt sich der genaue Vergleich.
Aufbau und Verarbeitung: der flache Boden als Konzept
Statt einer einzelnen großen Öffnung wie beim V60 setzt der Kalita Wave auf einen komplett flachen Boden mit drei kleinen, präzise positionierten Löchern. Das poliert verarbeitete Edelstahlgehäuse wirkt robust und leicht zugleich, unempfindlich gegen Stöße und ideal für den Transport im Rucksack oder Koffer, ein Vorteil gegenüber Keramik- oder Glas-Varianten, die bei dieser Bauform ebenfalls erhältlich sind. Ein Server gehört nicht zum Lieferumfang, der Dripper passt aber auf die meisten gängigen Karaffen mit rundem Rand. Die drei Standfüße am Boden sorgen für sicheren Halt auf fast jedem Gefäß. Kalita ist wie Hario ein traditionsreicher japanischer Hersteller mit Sitz in Yokohama, der neben dem Wave auch klassische Lochfilter-Dripper im Sortiment hat. Die Modellnummer 185 verweist auf die für ein bis vier Tassen ausgelegte Größe, kleinere Haushalte kommen häufig auch mit der kompakteren Wave 155 aus.
Im Detail: Warum der Flachboden gleichmäßiger extrahiert
Die Physik dahinter ist simpel, aber wirksam: Ein flacher Boden erzeugt ein gleichmäßig dickes Kaffeebett über die gesamte Fläche, während sich bei einem konischen Dripper wie dem V60 das Pulver zur Spitze hin verjüngt und dort leichter kanalisiert, also ungleichmäßig durchläuft. Die drei kleinen Öffnungen am Boden des Kalita Wave begrenzen zusätzlich den Wasserabfluss stärker als die große Öffnung des V60, wodurch die Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffeemehl insgesamt konstanter bleibt, auch wenn du beim Aufgießen nicht perfekt gleichmäßig im Kreis gießt. Das macht den Wave 185 nachsichtiger gegenüber kleinen Technikfehlern, ohne dabei an Klarheit in der Tasse einzubüßen. Der namensgebende Wellenfilter verstärkt diesen Effekt: Die Faltung hält das Papier von der Metallwand fern, ein dünner Luftspalt bleibt bestehen und wirkt isolierend, sodass die Brühtemperatur während der gesamten Extraktion stabiler bleibt, als wenn Papier direkt an kühlem Metall anliegt. Für den Einstieg eignet sich ein mittlerer Mahlgrad, ähnlich wie beim V60, feinere Einstellungen führen wegen der ohnehin schon verlangsamten Fließgeschwindigkeit schneller zu Überextraktion als bei konischen Drippern.
Wie unterscheidet sich der Wave 185 vom Hario V60 im Alltag?
Beide erzeugen klaren, sauberen Papierfilter-Kaffee, unterscheiden sich aber in der geforderten Präzision. Der V60 belohnt geübte Gießtechnik mit maximaler Kontrolle über jede Variable, verzeiht dafür wenig, der Kalita Wave nimmt durch seine Geometrie einen Teil dieser Verantwortung von der Gießhand und liefert auch bei unregelmäßigerem Aufgießen ein konstantes Ergebnis. Für alle, die eine verlässliche Tasse ohne wochenlanges Üben wollen, ist das ein klarer Vorteil. In Fachkreisen gilt der Kalita Wave deshalb oft als die pragmatischere Wahl für den täglichen Gebrauch, während der V60 eher als Werkzeug für gezieltes Experimentieren mit unterschiedlichen Röstungen und Gieß-Rhythmen dient. Die passende Kaffeemenge für Größe 185 rechnet dir der Brüh-Rechner nach Wassermenge und gewünschter Stärke aus.
Reinigung und Pflege
Der Edelstahl-Dripper ist vollständig spülmaschinenfest, was ihn im Alltag deutlich pflegeleichter macht als Keramik- oder Glas-Varianten mit empfindlicheren Oberflächen. Nach jeder Nutzung reicht in der Regel ein kurzes Ausspülen mit warmem Wasser, um Kaffeereste aus den drei Bodenöffnungen zu entfernen, gelegentlich lohnt sich eine gründlichere Reinigung mit einer weichen Bürste.
Für wen geeignet?
Der Kalita Wave 185 ist die richtige Wahl für alle, die im Filterkaffee & Pour-Over-Vergleich eine gleichmäßige, gut reproduzierbare Tasse suchen, ohne sich stundenlang mit Gieß-Technik zu beschäftigen. Wer maximale Kontrolle über jede Extraktionsvariable will oder lieber auf Standard-Kegelfilter aus dem Supermarkt zurückgreift, ist mit einem V60 flexibler unterwegs.
Alle Top-Modelle der Klasse stehen im Filterkaffee-Bereiter-Ranking.



